Es gibt viele Gründe warum sich Wissensvermittler gern selbst im Video zeigen: zum Selbstmarketing, zur besseren Kundenbindung, für einen persönlichen Kontakt. Das ist alles legitim, aber bitte nicht am Anfang! Da geht das meist nach hinten los, denn das ist nicht nur langweilig, sondern hat auch unerwünschte Nebenwirkungen. Fatal ist, wenn der eigentliche Grund ist, dass Sie kein passendes Bildmaterial haben. Das geht durchaus vielen so, aber es lohnt sich, darüber nochmal nachzudenken und andere Möglichkeiten oder Alternativen auszuloten.
Bilder werden innerhalb weniger Sekunden erfasst, dann erwartet das Gehirn neue Informationen.
Der Mensch lebt davon, visuelle Infos schnell zu erfassen. „Schnell“ bewegt sich hier so zwischen 0,5 und 2 Sekunden. Für gesprochenes Wort oder Text brauchen wir ein Vielfaches davon. Deshalb werden Bilder vom Gehirn bevorzugt und solange es etwas zu sehen gibt, steht der Rest hinten an. Video heißt „ich sehe“ und es ist wichtig, dass es immer etwas fürs Auge gibt! Daher präsentieren Sie im besten Fall immer aussagekräftige Bilder mit dazu passendem Text. Denn wenn nur eine Person zu sehen ist, fehlt ein Kanal. Dann geht die Aufmerksamkeit flöten und der Zuschauer sucht sich ganz automatisch etwas Neues. In jedem Fall ist das für das Video ungünstig, denn:
Bleibt das Bild bei einer Person stehen, dann:
- wird die Person näher untersucht.
Das passiert meist, wenn man eigentlich weitergucken will, weil der Inhalt interessant ist, aber gerade keine neuen Bilder kommen. Dann werden Details untersucht: Wie sitzt die Frisur, trägt man heute noch Einstecktücher? Und dann wandern die Gedanken weg vom Inhalt zu Fragen wie: Hat sie wohl Kinder? Blau würde ihm besser stehen! Die Pflanze im Hintergrund braucht dringend Wasser. - wird das Video schneller als irrelevant abgetan.
Wer sich noch nicht so ganz sicher ist, ob der Inhalt wirklich wichtig ist, schaltet an dieser Stelle schnell ab. Je nach Thema und Kontext brauchen Menschen 3-10 Sekunden, um zu entscheiden, ob das Video relevant ist. Wird diese Zeit mit einer längeren Ansprache gefüllt, dann komme ich mit einer neuen Suche vielleicht auf ein anderes, besseres Video oder einen guten Text. - bekommt der ohnehin schwierige Anfang doppeltes Gewicht.
Wenn man noch nicht so etabliert ist, dann wollen die Leute oft gerne wissen, wer hinter dem Angebot steckt und entscheiden schnell, ob derjenige kompetent und sympathisch ist. Aber gerade die ersten Worte sind oft schwer! Manche sind aufgeregt, weil jetzt der rote Aufnahmeknopf leuchtet, andere reden drauf los und kommen nicht zum Punkt und wieder andere sind super vorbereitet, aber brauchen 10 einleitende Sätze bis zum Thema. Womit wir dann wieder bei Punkt 2 sind.
Immer wieder bewusst entscheiden: Ist ein Video das richtige? Habe ich genug Bildmaterial?
Bevor Sie sich vor die Kamera setzen, fragen Sie sich bitte immer: Warum will ich ein Video machen? Habe ich wirklich genug passendes Material?
An den Anfang des Videos gehört ein guter Aufhänger. Denn nur zu erzählen, ist selten so wirkungsvoll, wie ein passendes Bild zu zeigen. Wenn es keine oder zu wenig Bilder gibt, dann machen Sie lieber einen Podcast oder schreiben einen Text.